Ein Tag aus der Jugend von Waldemar

8 Okt

Nachdem sich die Familie von Waldemar in Florida gut eingelebt hatte.

Der Vater stand endlich in Lohn und Brot, auch wenn diese Anstellung sich nur auf zwei Jahre erstreckte. Er fand Arbeit als Trainer von Greyhounds. Zu allem Unglück sah er seine Hauptaufgabe darin, die Greyhounds nicht auf Schnelligkeit und Ausdauer zu trainieren, sondern ihnen Zirkuskunststückchen beizubringen und ihnen das Fleischfressen abzugewöhnen. Das führte bei den Rennen zur einiger Verwirrung bei den Zuschauern und vor allem bei den Hundebesitzern. Ihre durch Graf Wastl trainierten Hunde machten keine Anstalten mehr dem Stoffhasen hinterherzurennen, denn sie waren ja nun Vegetarier und nach dem Öffnen der Startbox führten sie aufrecht auf ihren Hinterbeinen halsbrecherische Stands auf. Die Hundebesitzer hatten nach zwei Jahren genug davon, den die Wettmafia machten ihnen zu schaffen. Graf Wastl musste seinen Hut nehmen. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Waldemar hatte sich gut in die amerikanischen Verhältnisse eingewöhnt. Miami war der ideale Ort für Schildkröten, auch wenn die etwas größeren Verwandten, die Schnappschildkröten, nicht unbedingt als umgänglich bekannt waren. Aber meist konnten man diesen aus dem Weg gehen, den die Schnappschildkröten bevorzugten das Wasser der Everglades.

Der Schulbesuch war für Waldemar nur ein Übel, dass er über sich ergehen lies. Jeden Tag von Montag bis Freitag musste er sich früh aus dem Bett quälen, den seine Schule lag fünfhundert Meter entfernt. 5 Uhr aufstehen und dann eine Stunde bis zur Schule stampfen.

Seine Freizeit verbrachte er wie jeder andere amerikanische Jugendliche vor dem Fernseher. Seine bevorzugtes Videospiel war natürlich die Ninja Turtles.

An einem Tag im Oktober war es mal wieder soweit. Inocencia, seine Mutter, hatte vorsichtshalber den Strom abgestellt, damit er auch mal im Haushalt hilft und nicht den ganzen Tag vor der Glotze hängt.

Auf der Tagesliste stand das Aufräumen des Gartens. Es entwickelte sich folgender Dialog zwischen Mutter und Sohn.

Inocencia: Waaalllldddeeeemmaaaaaar.

Stille. Nur die Geräusche der Raketeneinschläge aus dem Videospiel von 123 dB klangen leise und vertraut an ihr Ohr.

Inocencia: Waldemar. Waldemar. Waaaaallllldddddeeeeemmmmmaaaaarrr. Was soll nur aus Dir werden. Waaaallllldddeeeemmmmaaaarr:

Waldemar: Ja Mama, was ist den schon wieder. Ist schon Zeit ins Bettchen zu gehen?.

Klick. Stille.

Waldemar: MMAAAMMMAAAA. Stell sofort den Strom wieder an. Ich war gerade auf Level 93 und hätte nur noch den fiesen Brontosaurus besiegen müssen.

Inocencia: Jetzt ist Schluß. Denn ganzen Tag vor der Glotze. Das macht Dich nur noch aggressiver.
Demnächst wirst Du mit den Schnappschildkröten rumhängen und ahnungsloses Seekühe überfallen.
Waldemar: Nein, bestimmt nicht. Die Seekühe sind viel zu schnell für mich im Wasser. Außerdem kann ich nur 3 Stunden die Luft anhalten:

Inocencia: Egal. Jetzt wird der Garten aufgeräumt.

Waldemar: Ach neeee. Nicht schon wieder. Das habe ich doch erst letztes Jahr gemacht. Dauernd den Garten aüfräumen. Das nervt. Schau Dir die Smith von neben an mal an. Dort wurde seit 32 Jahren der Garten nicht aufgeräumt. Und der Garten existiert noch.

Incocencia: Garten. Das ist kein Garten, dass nennt man Dschungel mein Kleiner. Also raus an die frische, Abgas verpestete Luft und Garten säubern.

Waldemar: Ach frag doch einen meiner zahlreichen Brüder.

Inocencia: Die haben keine Zeit. Die sind alle mit Kauen ihrer Nahrung beschäftigt. Und das kann dauern.

Waldemar: Mano. Wenns denn sein muss. Was soll ich denn machen. Ist doch alles ordentlich.

Inocencia: Also als erstes schaff diese schreckliche Panzerabwehrkanone in den Keller. Die steht da schon drei Jahre rum und wenn man sie nicht pflegt, dann rostet sie noch. Oder ein Hurrikan reist sie weg.

Waldemar: Du magst doch Hurrikans Mama. Du sagst doch immer, dass Hurrikans ein gutes Mittel für uns Schildkröten sind, dass wir wieder den Luftraum zurückerobern können, wo wir ja ursprünglich her kommen.

Inocencia: Das spielt keine Rolle. Du bist nur zu faul, Dein Spielzeug aufzuräumen.

Waldemar: Das ist kein Spielzeug. Letztes Jahr hat doch die ganze Straße eine Riesenfreude gehabt, als ich den SUV (spritfressender Pseudogeländewagen für Modepüppchen und Möchtegern-Männer) von den McNails in seine Einzelteile gesprengt habe. Die ganzen Nachbarn haben laut gejubelt und sich monatelang darüber unterhalten. Mensch der Junge hat ja richtig Schneid. So klein und schon so intelligent, haben sie gesagt.

Inocencia: Ja, dass war letztes Jahr. Panzerabwehrkanonen sind zwar dazu geeignet, diese SUV von den Straßen zu verbannen, wenn es schon nicht die US-Regierung schafft, aber eigentlich sind sie dafür da Panzer zu treffen und bewegungsunfähig zu schießen.

Waldemar: Lies doch mal die Zeitung. Die Tonga-Inseln rüsten gerade auf. Und außerdem sind die diplomatischen Beziehungen zu den USA mehr als desaströs. Sie haben immerhin schon zwei Seifenkisten aus Russland eingekauft.

Inocencia: Junge, dass stand bestimmt im MAD und nicht in der New York Times. Seifenkisten sind nicht das geeignete Mittel, um die USA zu überfallen. Und außerdem würden sie wahrscheinlich in Kalifornien an der amerikanischen Westküste landen und nicht an der Ostküste hier in Miami. Als pack das Ding in der Keller oder ich werde sauer.

Waldemar: Schon gut Mama. Und was ist mit der Flak im Wintergarten und der Stalinorgel in der Einfahrt. Sollen die in die Garage oder auch in Keller.

Innocencia: Ja schieb die Stalinorgel in die Garage.

Waldemar: Sollen wir sie dann wieder kurz vor Weihnachten raus holen? Die Andrews werden sicher bis dahin wieder ihr Haus aufgebaut haben und dann gibt es bestimmt wieder diese Lichtorgie im Vorgarten in der Vorweihnachtszeit. Überall diese Lichte. Beleuchtete Renntiere und überdimensionale Schneeflocken. Hunderte von farbigen Lichtern, die Tag und Nacht blinken. Die Stromrechnung von den Andrews möchte ich nicht sehen. Da ist das wWiederaufbauen des Hauses mit weitaus geringeren Kosten verbunden.

Inocencia: Ja, in der Vorweihnachtszeit holen wir sie wieder raus. Dieses Geblinke ist wirklich nicht zu ertragen. Und zwei Flakscheinwerfer, die Weihnachtssterne in den Himmel zeichnen, lass ich mir ja noch eingehen. Aber zwölf? Da müssen wir leider wieder das Grundstück samt Haus und Lichterketten einebnen. Vielleicht fallen sie ja wieder auf den Trick mit den Coupons von Burgerhouse rein, damit sie nicht im Haus sind.

Waldemar: Mach ich. Ich freue mich schon wieder auf das Fest der Liebe. Ach Mama und die Flak immer Wintergarten?

Inocencia: Lass die mal stehen. Die steht das sicher und geschützt. Und zu Sylvester benutzen wir sie dann wieder. Die Munition ist wesentlich billiger und man kann viel öfters in die Luft schießen. Die SS 20 vorletztes Jahr war einfach zu teuer und sicher sind die auch nicht. Stell Dir mal vor, wenn so eine in Deiner Hand losgeht. Nicht auszudenken. Die Flak zu Sylvester ist einfach besser. Und Vater werde ich dieses Jahr sagen, er soll das Glasdach des Wintergartens abnehmen, bevor er losballert.
Die Scherben muss ja schließlich ich wieder zusammenfegen.

Waldemar: Ja so machen wir es Mama. Ach der Dezember wird wieder toll. Das wird knallen und die Funken sprühen. Und vielleicht kauft sich ja auch wieder jemand aus der Nachbarschaft einen SUV.

So und nicht anders verlief dieser Tag aus der Jugend von Waldemar. Der ganz normale Wahnsinn. Es ist also kein Wunder, dass er eine etwas andere Schildkröte ist als die an

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Kurzsteckbrief Heiner Traugott

28 Aug

Name: Heiner Traugott
Geboren: 29.02.1968
Geburtsort: Sacco di Roma, Italien

Vater: Alfons Traugott
Beruf: Banker bei der Europäischen Ausraubbank AG, welche erst fünf Mal von der
Weltkrötenbank gerettet werden mußte. Dieses Jahr versteht sich.

Mutter: Walküre, geb. Fettmamsell
Beruf: HausfrauIn und Fotomodell für Unterwäsche übergewichtiger
SchildkrötInnen

Beruf: Zwangsemiritierter C-53 Professor am Lehrstuhl für angewandten Wahnsinn-
(Nur Bill Gates verdiente mehr in der Minute).
Schreibt als Kolumnist für verschiedene Tages- und Wochenzeitung in Esparanto.
Zockt an der Krötenbörse, um noch mehr Kröten in seine Taschen zu scheffeln. Hier helfen die Insidertips seines Vaters.
Obermotz der glorreichen 23. luftmobilen Brigade, die sich im 3. Krötenkrieg
einmal nicht verflogen hatte.

Religion: Glaubt an gar nichts und vor allem niemanden.

Lieblingsfarbe: Grau

Bekleidung: Trägt am liebsten Panzer aus Polyester des Bekleidungshauses Kröte&Anmut. Ihm ist völlig egal, dass 100 Polyster für seinen Panzer sterben mußten.

Lieblingsort: In seinem voll ausgebauten und teilklimatisierten Luftschutzbunker in einer “Gated Community”, deren geograpische Daten nicht einmal den Bewohnern bekannt sind

Lieblingsmusik: Marschmusik gespielt auf einer Hamondorgel
Lieblingsmusiker: Keinen, der mehr am Leben ist.
Lieblungsauthor: Die steinzeitlichen Krötenzeichnungen in der Unbrezzo Höhle in Italien.
Er ist der Ansicht, dass sämtliche Autoren, welche sich eines Alphabets bedienen und ihre Gedanken schriftlich niederlegen, in allem Unrecht haben und er es tausend Mal besser weiß.
Wird auch gerne als Experte in sämtliche Fernsehsendungen zu allen Themen eingeladen. Da er der Meinung ist, dass ja eh alle Fernsehzuschauer blöde seien, ist es egal was er zu dem vorgegebenen Thema sage, deswegen liest er meist Märchen aus der inneren Mongolei vor.

Lieblingsessen: Schweinebraten mit Blattsalat.

Lebensmotto: “Kant war ein Vollpfosten, der konnte ja nicht mal bis vier zählen. Da spiel ich schon in einer ganz anderen Liga.”
Dieser Ausspruch kostete ihn seinen Lehrstuhl und 3,45 Kröten für die schriftliche Bestättigung seiner Zwangserimitierung per Einschreiben mit Rückschein.

Superkräfte: Böser Blick, der ab und zu töten kann. Konnte bis jetzt kriminaltechnisch nicht nachgewiesen werden.
Kennt viele Märchen und Sagen aus der inneren Mongolei.
Kann mehrere Stunden auf eine frischtgetünchte Wand starren und darüber nachdenken, warum Kant nicht bis vier zählen konnte.
Der herbeigerufene Notarzt konnte leider bis jetzt nicht seinen Tod feststellen, sehr zum Ärger der Erben und der Fernsehzuschauer.

Familienstand: Mehrmals verwitwet. Seine ehemaligen Ehefrauen wollten ihn zum Einkaufen oder Müllraustragen schicken, worauf er erfolgreich über mehrere Tage die Wand anstarrte. Die Ehefrauen verhungerten oder zogen sich üble Virus- und Bakterieninfektionen zu. 147 noch lebende Nachkommen.

Geburt und erstes Jahr

28 Aug

Waldemar Graf von Groß-und Breitkotz schlüpfte als 12. Schildkröte aus dem Ei. Bereits bei der Geburt war er Vorletzter.

Sein Vater Wastl Graf von Groß-und Breitkotz hatte versucht auf Longyearbyen/Svalbard/Norwegen eine Tomatenzucht aufzubauen. Leider gab es sonst keine weiteren Schildkröten auf Svalbard. Ebenso der permanente Bodenfrost machte die Geschäftsidee zu nichte. Wastl sah dies auch ziemlich schnell nach fünf Jahren ein und entschloß sich mit seiner Frau Inocencia Freiin von Eigentor die Insel wieder zu verlassen. Ein weiterer Grund war, dass der fast ganzjährige Winterschlaf doch sehr an der Substanz zehrte.

Zehn Geschwister von Waldemar entschieden sich kurzfristig nach der Geburt – nachdem sie beim Arbeitsamt vorgesprochen hatten und auf Praktikumsplätze als Meeresschildkröte der Praktikumsausbeuter KG aufmerksam gemacht wurden – diese Praktikantenstellen anzunehmen.

Leider sah man seine Geschwister nie wieder. Die Mitarbeiterin des Arbeitsverschleppungsprogrammes Desi Unfähig verwies nur darauf, dass sie die Angabe der Praktikumsausbeuter KG ungeprüft übernommen hatte.

Die Praktikumsausbeuter KG befindet sich seit mehreren Jahrzehnten in Liquidation.

Ihr ehemaliger Inhaber und Chef sitzt heute auf Mauritius mit seinen 93 SchildkrötInnen und läßt es sich sehr gut gehen. Für die anspruchsvolle und investigative Presse ist er nicht zu sprechen. Fotos seiner GespielInnen erscheinen jedoch unregelmäßig in Playkrötchen.

So verlies Waldemar mit zwei seiner Geschwister unter Führung seiner Mutter Inocencia die Insel per U-Boot. Inocencia war der Ansicht, dass der Himmel wieder für alle Schildkröten zurückerobert gehört. Der Flug mußte abgesagt werden. Die angeklebten Flügel aus Petersilie brachen immer wieder ab. Inocencia machte aber die kurze Anlaufstrecke von drei Kilometern für den Misserfolg verantwortlich. Dies war einer der Gründe, warum Inocencia die Irrsinnige ihren Beinamen erhielt.

Im Torpedorohr des U-Bootes verlief die Überfahrt nach Nordamerika ohne Probleme und besondere Ereignisse. Nur die Mannschaft wunderte sich, dass die Gemüse- und Salatvorräte ziemlich schnell zu Neige gingen.

Die Einreise in die USA wurde ihnen erstmal verwährt. Die Reisepässe waren veraltet und enthielten nicht die geforderten biometrischen Daten. Es waren keine Fingerabdrücke im Bürgeramt auf Svalbard genommen worden. Man nahm die vier erstmal unter Quarantäne. Eine drohende Abschiebung nach Guantanamo konnte kurzfristig verhindert werden, da sich eine Cousin 17. Grades für Incocencia und ihren übriggebliebenen Nachwuchs einsetzte.

Als Wohnsitz wurde Tampa/Florida gewählt. Dort richtete sich die kleine Familie häuslich ein.

Derweil verschickte sich der Vater per Paket als Luftfracht ohne Rückschein in die USA. Die Probleme mit dem US-Zoll sind eine ganz andere Geschichte.

Im Juni 1979 war die Familie in Tampa dann endlich wieder vereint und glotzte gemeinsam betroffenen Blickes in die Zukunft. Wie Schildkröten das halt so machen.

Waldemar Graf von Groß- und Breitkotz aka Waltraud

27 Aug

Kurzsteckbrief

Name: Waldemar Graf von Groß- und Breitkotz aka Waltraud

auch bekannt als Waldi der Andere

Geboren: 20.12.1978

Geburtsort: Longyearbyen/Svalbard/Norwegen

Vater: Wastl Graf von Groß-und Breitkotz

Beruf: Hauskröte, Frühpensionär

Mutter: Inocencia Freiin von Eigentor

auch bekannt als Inocencia die Irrsinnige

Beruf: PolitikerIn, KrötInnenbeauftrage, will den Himmel wieder für die Schildkröten zurückerobern.

Beruf: Nicht arbeitssuchend, lebt in den Tag hinein, arbeitet zeitweise sehr erfolglos als Webcamgirl unter dem Pseudonym Waltraud.

Religion: Glaubt an den fliegenden Feldsalat. Er ist auch der Einzige, der daran glaubt.

Lieblingsfarbe: Kommt auf die Drogen an, die er einwirft. Sieht meist sehr bunte Sterne.

Bekleidung: Trägt am liebsten geklaute Panzer von Edeldesignern. 

Lieblingsort: Am Rande von Lichtungen, um vorbeirennenden SchildkrötInnen aufzulauern, um sie zum gemeinsamen Drogenkonsum zu verführen.

Lieblingsmusik: Zwölftonmusik Akapella

Lieblingsmusiker: Quikende Schildkröte aka WauWauMiau

Lieblungsauthor: Charles Bukowski

Lieblingsessen: Blattsalat. Jede Art von pflanzlichen Drogengewäschen

Lebensmotto: “Tight Alde” und starrte dabei auf ein Foto der SchildkrötInbeauftragtIn der Stadt Holzminden. Man muss dazu wissen, dass die Fotos im Playkrötchen veröffentlicht wurden.

Superkräfte: Schafft die hundert Meter unter 30 Minuten.

Kann so lange zusammenhangloses Zeug reden bis dem Zuhörer Blut aus dem Ohr kommt.

Wäre ein idealer Nachfolger für “Wetten das…”

Familienstand: Ledig. War mehrmals verlobt mit bürgerlichen Frauen, die gerne Gräfin geworden wären. Waldemar hat den Hochzeitstermin verschlafen oder sich auf dem Weg zu Kirche mit seinem Kettcar verfahren.